Parks
Einige Beobachtungen von Marian Freistühler, Ende 2016
Parks sind Grünanlagen. Angelegtes Grün. Urbane Natur nicht nur im Sinne von Natur innerhalb der Stadt, sondern Natur aus der Perspektive der Stadt. Geplant, komprimiert, erschlossen mit der Funktion: Naherholung. Wohl überlegte Bestandteile des engen menschlichen Zusammenlebens. Kompensation der Nachteile von Stadt, Erde zwischen Beton. Landschaftsarchitektur, also bauen mit Bäumen und Blumen. Künstlich, aber nicht zu perfekt. Eine Form städtischer Topographie, urbane Täler. Parks sind weitläufig umzäunte Gehege, hier kann man womöglich Menschen sehen, wie sie sich in freier Wildbahn bewegen bzw. in dem, was sie an Wildnis schätzen. 

Parks sind Fiktion, in die wir gerne eintauchen. Ein quasi antiker Tempel, eine verwunschene Grotte, ein irgendwie chinesischer Turm, ein Irrgarten, ein Wasserfall.

SCHNITT Ein junger Mann in kurzer Hose und Nikes joggt. Sein Smartphone am Arm befestigt hört er Instant Crush von Daft Punk.

SCHNITT Eine Frau in Adidas mit Pferdeschwanz und Schrittzähler kommt ihm entgegen. Sie hört Pokerface von Lady Gaga.

SCHNITT Menschen im Sommer auf der ausgeschilderten Liegewiese. Skulpturen. Ein junges Paar, sie ist schwanger. Sie werden überrascht, in Bewegung versetzt von einem Ball. Kurz darauf ein Kind, das ihn holt, eine Mutter, die es aus dem Off ruft. Die beiden schauen dem Kind hinterher, beobachten den Spielplatz, machen sich Gedanken über die Namen der Kinder. Merken nicht, wie sie immer kindischer werden. SIE: Aber eigentlich klingt Hauke schön. Nach Leuchtturm und Ostsee. ER Und nach Schaf... SIE Da bräuchte es schon einen Doppelnamen. Sowas wie Hauke-Harald...oder Hans-Hauke. ER Hallo, ich heiße Hans-Hauke und ich stelle mein Shampoo selbst her.

SCHNITT Das Befinden des Hundebesitzers im Moment des Stockwurfs. Es ist ein Loslassen auf Zeit. Wenn das Herrchen das Stöckchen wirft und sein Hündchen ihm folgt, nehmen zwei Spezies an einem Ritual teil, die sich hier, obwohl ihre Gehirne der Schwerkraft im evolutionären Gang der Dinge verschiedene Höhen abringen konnten, auf Augenhöhe begegnen. Der Mensch fordert den Hund auf, loszurennen, der Hund den Menschen, zu werfen; beide parieren.

Das Potenzial des aufrechten Ganges liegt in der Freiheit der Hände. Sie heben jenen Stock empor, der schon bald landet, wo das Maul des Vierbeiners nach ihm greifen wird. Ohne Konkurrenz widmen sich die Spielkameraden ihren jeweiligen Talenten.

SCHNITT Der Totengräber-Käfer ist geschwächt. Gegen die erste Ameise kann er sich behaupten, doch bald sind sie in kaum zu überblickender Überzahl, ziehen an seinen Beinen und Fühlern, ringen ihn zu Boden.

SCHNITT. Ein Landschaftsgärtner mit Gehörschutz und Laubbläser beseitigt ohrenbetäubend die Blätter vom Gehweg, der um ein Denkmal herumführt. SCHNITT Er macht Pause, isst ein Butterbrot und einen Apfel, schaut auf das Denkmal. SCHNITT Sein Kollege ist in der Kanzel seines kleinen Baggers eingenickt, mit dem er ein Rohr unter der Wiese freigelegt hat. Absperrbänder um Bäume.

SCHNITT Einige Senioren gehen hinter-, teils nebeneinander, viele mit Rollator, immer wieder um die prächtige zentrale Hecke eines barock angelegten Teil des Parks herum.

ENDE


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